Jugendbeteiligung

Im Kloster Loccum waren wir als Referenten einer Tagung der Evangelischen Akademie zu Gast und haben über das Thema "Einmischen, ja bitte! Politische Bildung für Jugendliche mit geringen Bildungschancen" gesprochen. Ein paar Thesen zur Beteiligung von Jugendlichen:

 

 

Jugendliche zu beteiligen ist auf den ersten Blick ganz simpel: Jugendliche fragen und dann die Antworten umsetzen. Bei der Arbeit wird man allerdings zwangsläufig auf eine ganze Reihe von Hemmnissen und Hindernissen, Verhinderern und Nichtwollern stoßen, die es zu überwinden oder mitzunehmen gilt.

 

Die Akteure im Einzelnen und warum sie nicht automatisch Freunde der Beteiligung sind:

 

Kommunalverwaltungen lassen ungern Einmischungen zu. Denn Einmischungen von Außen bedeuten:
... Mehrarbeit;
... Störung der üblichen Abläufe;
... Neue Ideen, die man meint, selber hätte haben zu müssen, aber nicht hatte.
Das betrifft sogar Einmischungen von gewählten Vertretern wie Stadt- oder Gemeinderäten durch Anfragen und Anträge. Wie schwer hat es dann Input von Menschen ohne jede Legitimation, besonders, wenn diese sich nicht mit Verfahren und Fachbegriffen auskennen.

 

Räte bedienen sich gern dem Instrument der Bürgerbeteiligung, wenn sie mit Argumenten und Beschlüssen nicht gegen ihre Kommunalverwaltungen ankommen oder selber keinen Mut / keine Ideen haben, bestimmte Probleme anzugehen.
Sie tun sich erwartungsgemäß allerdings schwer damit, wenn Bürgerbeteiligungen gegen Parteimeinungen stehen (wenn z.B. „mehr Parkplätze" gefordert werden, wo es doch „zu viele Autos" gibt.)
Und sie haben es schwer, sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit gegen die Übermacht aus hauptamtlicher Fachverwaltung und hauptamtlichen Bürgermeister durchzusetzen.

 

Denn ob und wie Beteiligung umgesetzt wird, hängt nicht an Strukturen oder Beschlüssen, sondern oft einzig und allein am (Ober-) Bürgermeister. Dieser hat durch die Eingleisigkeit und die Entkopplung von den Kommunalwahlen eine Machtfülle bekommen, die alle anderen Gremien in den Schatten stellt.
Nutzt er diese Macht für Beteiligung, werden Beteiligungsvorhaben schnell und konsequent umgesetzt. Ist er gegen Beteiligungen, kann man sich die Mühe sparen - sie wird wenig Konsequenzen haben, auch wenn eine Rats- oder Bevölkerungsmehrheit hinter den Plänen steht.

 

Und: Die Jugendlichen sind noch nie gefragt worden, haben keine Erfahrung mit "Einmischen" und "eigene Meinung entwickeln": In welchen Kindergarten / welche Schule sie kommen, welche Freunde sie haben dürfen, und im Extremfall welchen Partner, bestimmt die Familie. In welcher Klasse sie sind und was sie dort lernen bestimmen Schule und Kultusministerium.
Wahrscheinlich darf ihre Familie aus einem Nicht-EU-Land kommend noch nicht einmal an der Kommunalwahl teilnehmen.
Und Dinge, die man in der Schule macht, tut man für die Schule: Wenn die Klassenarbeit geschrieben ist oder die Hausaufgabe besprochen, kommen die Ergebnisse in den Papierkorb. Es gibt keine Kultur des "Gebrauchtwerdens" in der Schule.

 


Was folgt daraus für die Arbeit der Beteiligung von benachteiligten Jugendlichen?

 

  1. Den Bürgermeister überzeugen.
  2. Die Beteiligung so strukturieren, dass in der Mitbestimmung unerfahrene junge Menschen trotzdem produktiv arbeiten können.
  3. Die Ergebnisse der Beteiligung so schlank und auf den Punkt gebracht präsentieren, dass sie für ehrenamtliche Ratsmitglieder nicht zu einer zusätzlichen zeitlichen Belastung und noch mehr Drucksachen-Papier werden.
  4. Die Ergebnisse der Beteiligung so aufbereiten, dass sie verstanden werden und eine harmonisch in das Verwaltungshandeln einfließende Arbeitshilfe sind.

 


Wir helfen Ihnen dabei, Jugendbeteiligung mit echten Ergebnisse und zufriedenen Akteuren zu verwirklichen!


Einige exemplarische Projekte vom Verein Politik zum Anfassen e.V., die nicht nur aber immer auch mit Beteiligung zu tun haben:

 

Pimp Your Town!
Für die Landeshauptstadt Hannover entwickelten wir ein Planspiel zur Ratsarbeit, in dem drei Schulklassen unterschiedlicher Schulformen im Rathaus eigene Anträge berieten und von einer vierten Schulklasse journalistisch begleitet wurden und führten es 2009 durch, mittlerweile auch in Hildesheim, Fehmarn, Uetze und Hasbergen. Das Besondere daran: der Rat der Landeshauptstadt Hannover nimmt die Anträge der Schülerinnen und Schüler auf seine Tagesordnung, einzelne Ratsfraktionen machen sich Ideen zu eigen und zusammen mit den Schülern werden bestimmte Ideen beschlossen und umgesetzt.

 

Umfrage1417
Schülerinnen und Schüler entwickeln zusammen mit Politikerinnen und Politikern eine Umfrage zu Lebensqualität und Freizeitverhalten von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren im Stadtteil, führen diese durch, werten sie aus und präsentieren die Ergebnisse dem entsprechenden Gremium. Bisher durchgeführt in Celle, Hannover Vahrenwald/List, Hannover Ahlem/Badenstedt/Davenstedt und Hannover Buchholz/Kleefeld). Die Ergebnisse fließen in die Ratsarbeit ein und werden zum Teil umgesetzt, z.B. durch informelle Treffpunkte in Ahlem oder dem

Vahrenwald/List-Handbuch
Schülerinnen und Schüler recherchieren zusammen mit Politikerinnen und Politikern im Stadtteil Angebote für Kinder und Jugendliche und veröffentlichen diese in einer selbstgestalteten Broschüre.