"Demokratieskepsis". Ein großes Wort. Klingt sperrig.
Sogar das Bundesprogramm "Demokratie leben!" hat sich über die "Partnerschaften für Demokratie" mit dem Thema "Demokratieskepsis" beschäftigt: „Die Partnerschaften für Demokratie sprechen demokratieskeptische Menschen durch teilhabeorientierte Maßnahmen und Partizipation an, damit diese einen konstruktiven Umgang mit dem Thema Demokratieskepsis entwickeln“. Demokratieskeptiker sollen also konstruktiv werden?
Der griechische Begriff stehe zunächst unspezifisch für "Untersuchung", "Betrachtung", schreibt Spektrum. "Durch kritische Zweifel, Bedenken, Misstrauen bestimmtes Verhalten; Zurückhaltung", sagt der Duden.
Es gibt gesunde Skepsis.
Es gibt den kritischen Zweifel - und es gibt die misstrauische Vorsicht.
Es ist gut, nicht alles zu glauben. Es ist gut, Dinge immer wieder in Frage zu stellen. Sich selbst. Erkenntnisse der Wissenschaft. Nur so gelingt Fortschritt. Nur bei der "Demokratie" soll es höchstens konstruktiv sein? Nichts hinterfragt werden?
"Wenn wir bei jeder globalen Krise erst monatelang debattieren und Kompromisse aushandeln müssen, überholen uns andere Staatsformen wirtschaftlich und technologisch, bevor wir überhaupt den ersten Ausschuss gegründet haben."
Thomas, 44, Ingenieur
"Am Ende des Wahlabends ändern sich zwar ab und zu die Gesichter auf den Plakaten, aber an den harten Realitäten in unserem Arbeitsalltag und im Geldbeutel ändert sich seit Jahrzehnten gefühlt überhaupt nichts."
Sabine, 52, Pflegekraft
"Ich frage mich oft, wie ein Abgeordneter in der fernen Hauptstadt, der mein Leben gar nicht kennt, überhaupt noch repräsentative Entscheidungen für unsere Region hier treffen kann."
Markus, 29, Handwerker
"Es ist manchmal schwer vermittelbar, dass die Stimme von Expertinnen und Experten, die ein komplexes Thema jahrelang erforscht haben, bei hochtechnologischen Zukunftsfragen exakt denselben Stellenwert hat wie die Stimme von jemandem, der sich gar nicht damit beschäftigt hat."
Dr. Elena V., 38, Wirtschaftswissenschaftlerin
"Wenn die politische Meinungsbildung im Land ohnehin fast nur noch über die Algorithmen großer Tech-Konzerne und zugespitzte Talkshows gelenkt wird, müssen wir uns fragen, wie frei und unabhängig die Wahlentscheidung des Einzelnen am Ende tatsächlich noch ist."
Jonas, 31, Softwareentwickler
"Dieses ständige, unversöhnliche Parteiengezänk und das gegenseitige Blockieren im Parlament verunsichern die Menschen doch mehr, als dass sie das Gefühl von Stabilität und Führung vermitteln."
Renate, 61, Rentnerin
"Unsere heutigen demokratischen Institutionen wurden für das 19. und 20. Jahrhundert konzipiert – ich bezweifle stark, dass sie mit der extremen Geschwindigkeit und den komplexen Dynamiken des digitalen Zeitalters überhaupt noch Schritt halten können."
Simon, 26, Student
"Nur weil eine parlamentarische Mehrheit für ein bestimmtes Gesetz stimmt, bedeutet das im Umkehrschluss leider noch lange nicht, dass es auch die klügste, nachhaltigste oder gerechteste Lösung für die Zukunft ist."
Anja, 47, Architektin
"Die ewige Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in Koalitionen führt doch meistens nur dazu, dass notwendige, aber unpopuläre Reformen so lange verwässert werden, bis sie völlig wirkungslos sind."
Klaus, 55, Unternehmer
"Echte Mitbestimmung fühlt sich für mich anders an, als alle vier Jahre irgendwo ein Kreuz zu machen und danach wieder komplett machtlos zuzusehen, was im Hintergrund ausgehandelt wird."
Miriam, 34, Erzieherin
In einem spannenden Workshop wollen wir uns auf die Suche nach der Skepsis machen. Und wie wie ihr begegnen wollen.
